Warum viele Unternehmen am Ziel vorbeilaufen - Employer Branding für KMU
Zwischenzeugnisse, Recruitingmessen & Aktionismus – warum viele Unternehmen am Ziel vorbeilaufen
Ende Januar ist es wieder so weit: Zwischenzeugnisse werden verteilt, Bewerbungen geschrieben und in vielen kleinen und mittleren Unternehmen beginnen die Vorbereitungen für Recruitingmessen und Ausbildungsmarketing. Der Druck steigt – gerade im Azubi-Recruiting. Jetzt müssen junge Menschen erreicht werden. Schnell, sichtbar und möglichst wirkungsvoll.
Und genau hier beginnt aus unserer Sicht ein zentrales Problem.
Denn was wir aktuell häufig beobachten, ist weniger strategisches Employer Branding für KMU – und deutlich mehr kopfloser Aktionismus. Viel Bewegung, viele Maßnahmen, viele Versprechen. Aber oft ohne klare Richtung, ohne echte Arbeitgebermarke und ohne Verständnis für die Zielgruppe.
Mehr Benefits = bessere Arbeitgebermarke? Leider nein.
Was uns aktuell besonders auffällt – und ehrlich gesagt auch nervt – ist die Benefit-Schlacht, die viele Unternehmen führen, um im Recruiting sichtbarer zu werden. Je größer die Unsicherheit, desto länger werden die Listen: Jobrad, Tablet, Streaming-Abo, Fitnessstudio, vermögenswirksame Leistungen, Obstkorb.
Das Problem dabei: Ein Mensch zwischen 16 und 18 Jahren, der gerade seine erste große Lebensentscheidung trifft, kann mit vielen dieser Benefits wenig anfangen. Wer noch bei den Eltern wohnt, noch keine Berufserfahrung hat und sich erst orientiert, weiß nicht, was vermögenswirksame Leistungen bedeuten – und kann sich unter einem „tollen Betriebsklima“ oft nichts Konkretes vorstellen.
Gutes Employer Branding im Mittelstand bedeutet deshalb nicht mehr Benefits, sondern mehr Orientierung. Junge Menschen brauchen Verlässlichkeit, Begleitung und echte Ansprechpartner – keine langen Vorteilskataloge.
Recruitingmessen: viel Aufwand, wenig Wirkung
Ein Muster, das wir im Recruiting für KMU jedes Jahr beobachten: Erst kurz vor der Messe wird entschieden, wer auf dem Stand stehen soll. Oft ohne Vorbereitung, ohne klare Rolle, ohne Schulung.
Dabei ist genau diese Person die erste echte Kontaktfläche zur Arbeitgebermarke. Employer Branding beginnt nicht auf der Messe, sondern im ersten Gespräch, im ersten Eindruck und in der Art, wie ein Unternehmen auf junge Menschen zugeht.
U-Boot-Employer Branding funktioniert nicht.
Unternehmen tauchen nur dann auf, wenn es dringend wird – zur Messe, zur Bewerbungsphase, zum Ausbildungsstart. Den Rest des Jahres bleibt die Arbeitgeberkommunikation unsichtbar.
Employer Branding ist ein langfristiger Prozess. Wer das ganze Jahr über sichtbar bleibt, regelmäßig Einblicke gibt und Haltung zeigt, hat es im Recruiting deutlich leichter.
Fazit
Employer Branding für KMU ist kein Hochglanzprojekt. Es ist Haltung – und diese zeigt sich im Alltag, nicht nur dann, wenn es gerade brennt.
P.S.
Gerade im Emsland gibt es starke Unterstützungsangebote für kleine und mittlere Unternehmen, zum Beispiel über kooperative Messestände der Wirtschaftsförderung oder Projekte wie die Job-Rutsche der Ems-Achse.